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Rheingauer Bike Marathon

Posted in Diabetes, Vorbereitung AlpenCross von Steffen Klausing am 16. Jun. 2008

Nun hab ich ihn hinter mir, meinen ersten Marathon.
Rheingau Marathon
Als erstes möchte ich einmal sagen, dass ich die ganze Veranstaltung als gut organisiert empfand. Hier fehlt mir zwar noch der Vergleich zu anderen Marathons, aber ich erlebte fast nirgendwo Dinge welche mir nicht passten. Die Ausgabe der Startnummern am Vortag verlief völlig problemlos. Zumindest konnten das alle Fahrer behaupten welche sich mit einer Voranmeldung beteiligt hatten.
StartnummernausgabeStart ZielHottes Stand
Es hatten sich so 2 Tage vorher etwas über 500 Fahrer angemeldet. Bis zum Start gab es dann aber noch jede Menge Nachmelder. Dadurch waren es am Ende über 1000 Fahrer und dem Veranstalter gingen die Startnummern aus.
Die Strecken (40km und 70km) selbst waren wirklich gut ausgeschildert und alle gefährlichen Stellen markiert. Man konnte sich nicht verfahren. Allerdings hatten die Veranstalter wohl nicht damit gerechnet, dass es vorher regnete und 1000 Fahrer sich als Matschwühler beteiligen. Einige Streckenabschnitte hätte man nach dem Rennen wohl in Tüten abfüllen und als Fangopackung verkaufen können … aber dazu später mehr.
Glöckchen und ich machten uns morgens in Rüdesheim los und fuhren zum Start nach Aulhausen. So hatten wir schon gut 230 hm in den Beinen als es los ging. Allerdings waren wir dadurch schon warm gefahren.
Am Start angekommen hatten die Veranstalter Startblöcke eingeteilt welche sie in 5 Minuten Abstand von einander starten ließen. So kam es gerade am Anfang und auch auf der Strecke nicht zu all zu großem Gerangel.

Glöckchen und ich vor dem Startunsere beiden Räder noch vereint.der Startblock vor uns
Ein kleines Problem hatten die Starter aber. Sie fanden die Startpistole nicht und so musste der Rüdesheimer Bürgermeister das Rennen durch simples herunterzählen starten.
Der Startblock hinter unsWir beide in unserem StartblockStart des ersten Blocks

Ich hatte vor dem Start einen BZ Wert von 8. Während des ganzen Rennens habe ich jede halbe Stunde einen Corni Riegel gegessen (ca 1BE) um den Wert oben zu halten. Auf den 70km gab es 2 Verpflegungsstellen. Dort habe ich immer gemessen und zusätzlich dann einen Schluck isotonisches Getränk und ein Stück Banane zu mir genommen. Zwischendurch hatte ich so zwar mal einen 10er Wert, aber der war nach einer halben Stunde wieder bei 6 angekommen. Das lag wohl zum einen daran, dass ich ständig mit Puls zwischen 140 und 155 gefahren bin und die Strecke wirklich schwer zu fahren war. Insgesamt habe ich so schätzungsweise 16BE gemampft ohne dafür Insulin zu spritzen.
Am Ende des Marathon hatte ich einen 7er Wert. Eine halbe Stunde nach dem fahren war es schon nur noch ein 5er. Alles in allem kann ich sagen, bin ich recht gut mit meinen Werten hingekommen.

Nun aber zum Rennen selbst. AmTag davor und die Nacht über hatte es immer mal wieder geregnet. So war der Waldboden schon ziemlich weich. Bei den mehr als 1000 Fahrern waren auch Lizensfahrer dabei. Die spurteten natürlich vorne weg, gefolgt von den vielen durchtrainierten Sportlern.
Meine Devise war ankommen und schneller als mein Mitfahrer Glöckchen zu sein. Ganz wichtig war für mich dabei, dass ich das Rennen einteilen musste.
Wie wichtig das war merkte man schon nach den ersten 10km als die ersten Schlammlöcher kamen. Schätzungsweise 300 Biker waren da schon vor mir durch. So waren die Wege teilweise auf mehrere hundert Meter 10-15cm tief verschlammt. Da halfen mir selbst meine Nobby Nicks nicht mehr Grip zu bekommen.
OK, da dachte ich noch, dass es ein Schlammloch war was der Veranstalter bewußt eingebaut hatte um uns auch ein wenig zu fordern. Aber weit gefehlt!
Stellenweise waren kilometerlange Schiebepassagen in denen man das Rad kaum vorwärts bekam. Man schob 5 Meter vorwärts und dann einen Meter rückwärts um die Schlammbatzen aus der Gabel und von den Reifen zu bekommen weil die Räder schon beim schieben blockierten. Ich entschloß mich dann in diesen Passagen mein Rad zu tragen. Das war immerhin leichter als schieben. Auf Grund des Schlammes ergaben sich doch teilweise erhebliche Sichteinschränkungen. :-)
Blindflugda oben hört der Schlamm aufSchlammstreckeRadreinigung mit Stöcken

Nach solchen Passagen fand immer ein regelrechter Wettbewerb statt. Wer findet den schönsten Stock und kann am schnellsten die Kilo an Schlamm von Reifen, Schaltung und sonstigen Radteilen kratzen.

Leider erwischte es meinen Kumpel so ca bei Kilometer 40 mit Krämpfen in beiden Oberschenkeln. Er kämpfte sich zwar noch bis ca Kilometer 48 durch, aber da war ich ihm schon (ohne es zu wissen) ca eine halbe Stunde weg gefahren. Da dies ja ein Wettbewerb zwischen uns beiden werden sollte, fuhr jeder seinen Stil ohne auf den anderen zu achten. Ich bemerkte zwar, dass er verschwunden war, konnte aber nicht feststellen, ob er nun vor mir oder hinter mir lag.
Bei Kilometer 48 stand unser “Fanclub” (seine Frau und meine Freundin) und feuerten uns an. Hier erfuhr ich, dass mein Kumpel hinter mir war. Bis dahin dachte ich noch, dass er vielleicht 5-10min hinter mir war. Das war auch der Grund warum ich mit Volldampf weiter machte.
Später erfuhr ich dann, dass er hier aufgab. Mit Krämpfen in beiden Oberschenkeln ging einfach nichts mehr.
Auf der Strecke gab es auch etliche Fahrer die einen platten Reifen hatten oder die es auch mit Krämpfen erwischte. Durch den vielen Schlamm war die Strecke einfach sehr schwer zu fahren. Direkt vor mir war ein Fahrer der in einem schlammigen Abschnitt Krämpfe in beiden Beinen bekam. Er war nicht mehr in der Lage das Gleichgewicht zu halten und kippte samt dem Rad einfach um. Ich hielt kurz an und fragte ob etwas passiert sei. Da er nicht ernsthaft verletzt war und es wirklich genügend Streckenposten gab, fuhr ich weiter.
Insgesamt sind rund 30% der Fahrer welche am Start waren ausgefallen. Entweder schafften sie es körperlich nicht, oder sie mussten aus technischen Gründen aufgeben. Stellenweise drehte sich ja nichts mehr. Weder die Gänge ließen sich schalten, noch drehten sich die Räder weil so viel Schlamm dazwischen war.
So quälte ich mich bis zum Ziel.
Erst dort realisierte ich, dass mein Kumpel schon da war. Am Anfang war ich noch erschrocken, weil ich dachte er hatte mich irgendwo unbemerkt überholt. Aber später hörte ich ja seine Geschichte und dass er mit seiner Frau zum Ziel gefahren ist.
Endlich im Ziel
Es war aber echt schön zu sehen, dass meine Freundin nebst einigen Freunden im Ziel auf mich warteten.
Insgesamt habe ich 5 Stunden und 45 Minuten gebraucht und belegte damit den 343. Platz von allen Startern. Für meine Verhältnisse denk ich ist das eine Super Leistung. Der schnellste hat für die 70km nur 2 Stunden 47 Minuten gebraucht.

Hier noch ein paar Impressionen:
010203
040507
0809

Ich füge hier mal noch eine Google Map von der Strecke an .


Strecke

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